Meine Transidentität

Hier möchte ich Euch über meine eigene Transidentität berichten. Darüber wie ich dies selbst im Laufe meines Lebens bemerkt habe, meine Gefühle und Ansichten, sowie meine medizinische Angleichung. Ich werde diesen Bericht nach und nach fortsetzen, also immer mal wieder rein schauen 😉

Meine gesamte Kindheit über hatte ich immer wieder das Gefühl das ich anders war als die anderen Jungs. Was genau es war, wurde mir erst viele viele Jahre später klar. Das ich schon im Kindergartenalter eher mit Puppen und Mädchen spielte, als mit Jungs Fußball zu spielen oder einfach Scheiße bauen, sagt mir heute das ich nie, zu keinem Zeitpunkt ein Junge war. Zumindest ist es eines von vielen Anzeichen  die darauf hin deuten. Meine Mama sagte, sie habe schon als ich noch ein Kleinkind war Andersartigkeiten bei mir bemerkt. Mit der Teenager-Zeit wurde mir nun mehr und mehr bewusst das ich eine Frau sein wollte. Das ich schon immer eine war wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber der Gedanke eine Abnormität zu sein, vor dem ich große Angst hatte, ließ mich das alles verdrängen und ein Leben als Mann zu führen. Ein Schein, ich hab mich die ganze Zeit nur verstellt, als eine Person die ich nicht bin. Doch wie wäre das auf dem Land in den 90ern angekommen wenn eine „Transe“ unter ihnen gewandelt wäre? Allein innerhalb der Familie wäre das eine Katastrophe geworden, in der sich die Lager gespalten hätten. Aus Rücksicht darauf hab ich meine wahre Identität verdrängt. Ein Fehler, ich weiß. Und heute hasse ich mich dafür, hätte schon so viel früher mit dem Angleichen beginnen können. Aber es sollte nicht sein und erst nach meiner Ausbildung zur Bäckerin in meiner eigenen Wohnung begann mein Selbstfindungstrip. Von da an nahm ich es nun in die  Hand das zu erforschen was mit mir los war. Viele Jahre erst nur heimlich daheim, was das tragen weiblicher Kleidung und auftragen von Make up betraf. Irgendwann fuhr ich damit regelmäßig in der Nacht los, durch die Stadt und wieder nach Hause. Es gab mir das Gefühl als Frau in der Gesellschaft aufzutreten. „Nur“ zuhause reichte mir dann doch nicht mehr.

Naja, so brachte ich mir mit der Zeit selbst bei mich zu schminken und dachte viel darüber nach warum weibliche Unterwäsche unter meiner tagsüber noch männlichen Kleidung zum Standard wurde. Eine Entwicklung die das Umkleiden in der Bäckerei, in der ich als Gesellin übernommen wurde (damals noch Geselle), recht komplizierte, da ich ja unter Männern war. Und was für welche…von jung bis alt und total durchgeknallt. Handwerker halt. Das die meine weibliche Unterwäsche sehen würden, ging für mich gar nicht. Was das Umkleiden im Duschraum für mich nach sich zog, dort konnte ich mich einschließen. Eines Tages, es war im Jahr 2010, hab ich mich wohl zuhaus nicht korrekt abgeschminkt. Etwas Lippenstift klebte noch in den Mundwinkeln. Bemerkt haben es alle, nur niemand traute sich etwas zu sagen, mich daraufhin anzusprechen. Es war eine gleichaltrige Kollegin, die mich zur Seite nahm und mich drauf ansprach. Hab mich voll geschämt und noch nichts genaues dazu gesagt. Wochenlang überlegt was ich nun tun sollte, schließlich wurde nun geredet. Als ich dann eines Sonntags mit jener Kollegin allein tätig war nahm ich meinen Mut zusammen und teilte ihr mit was los war. Das mir nun endgültig bewusst war eine Frau zu sein, war schon eine Zeit lang zuvor der Fall. Ich musste es halt nur noch nach außen hin tragen. Und sie war die erste die es erfuhr. Ein paar Tage später bekam auch meine Mama mein Coming Out persönlich von mir mitgeteilt, die restliche Familie übernahm sie, so nahm es seinen Lauf und ich konnte mich nun endlich frei ausleben, so wie ich wirklich bin. Es war eine Befreiung und die beste Entscheidung die ich in meinem Leben bis dahin traf. Endlich und zu jedem Zeitpunkt als Frau leben. Eines hab ich sofort beschlossen: Entweder ganz oder gar nicht. Männliche Kleidung warf ich sofort weg, so das ich auch gar nicht mehr zu einem gezwungenen Switchen kam. So lebte ich dann zwei weitere Jahre weiter, entdeckte weiter meine Weiblichkeit und suchte mir einen Kleidungsstil, was sehr lange gedauert hat. Röcke und Kleider in der Öffentlichkeit zu tragen traute ich mich noch nicht. Was das anging bin ich Schritt für Schritt vorgegangen. Denn eines war mir von Anfang an klar: Das ich natürlich rüberkommen wollte, nicht zu übertrieben schminken und dem Anlass entsprechend kleiden. Dazu bin ich auch noch perfektionistisch veranlagt. So hab ich mich auch gleich an den Cisgendern orientiert. Andere Transgender kannte ich eh nicht.

Auch war mir der medizinische Weg noch gar nicht klar, was überhaupt möglich ist und wie die Krankenkasse sich verhält, was die übernehmen. Wie ist es gesetzlich geregelt? Wo muss ich hin? Wie bekomme ich meine Namensänderung? Welche Ärzte sind zuständig? Alles Fragen auf die ich nicht einmal von Hausarzt und Krankenkasse Antworten bekam. Über zwei Jahre stand ich in Unwissenheit. Anscheinend ist das Thema Transidentität im ostwestfälische Raum nicht so weit verbreitet. Erst nach meinem Umzug nach Frankfurt am Main bekam ich Antworten. Aber auch mit dem Internet hab ich mich nun doch mal beschäftigt. Bin halt eine Spätsünderin.

Nun ja, was soll ich sagen… In Frankfurt fand ich dann nun einige Psychotherapeuten deren Schwerpunkt in der Transidentität liegt. Diese natürlich alle keinen freien Platz hatten, Aufnahmestopp oder eine Wartezeit von mehreren Monaten. Aber zumindest wusste ich nun mehr über den Verlauf der medizinischen Angleichung. Erst ein Jahr später fand ich eine Therapeutin bei der ich direkt unterkommen konnte. Allerdings nur bis zur Personenstandsänderung, da sie keinen Doktortitel besaß/besitzt (keine Ahnung ob sie noch lebt, war schon recht alt). Naja, so saß ich ein Jahr lang bei ihr regelmäßig in der Praxis herum, erzählte und erzählte… Ein Jahr, was laut der guten Frau die Vorraussetzung zur Beantragung der Personenstandsänderung sei. Heute weiß ich es besser, aber damals nicht, und so hab ich es hingenommen. Das erste Gutachten konnte ich direkt bei ihr bekommen, das zweite bei einer vom Gericht zugeteilten Therapeutin, bei der ich nun auch in Behandlung blieb, um alle weiteren meidzinischen Schritte zu bekommen. Im Juni 2015 endlich der Termin zur Anhörung beim Amtsgericht Frankfurt (Familiengericht), welcher eigentlich nur Formsache war. Denn es stand für den Richter eh schon fest das ich weiblich bin. Also so nach zehn Minuten, in denen er fast nur mit seinem PC gekämpft hatte, der nicht so wollte wie er, war es das auch schon wieder. Knapp vier Wochen später kam der vorläufige Beschluss zur urkundlichen Änderung meines Vornamens und Geschlechts. Doch um es endgültig in allen Unterlagen und Ausweisen ändern zu lassen, benötigte ich den rechtskräftigen Beschluss (derselbe mit einem Stempel drauf), der erst noch über das Regierungspräsidium Darmstadt reisen musste. Dieser kam dann mitte Oktober. Die Zeit von Juli bis dahin war die Hölle. Es ist der Gedanke das es doch endlcih alles auch juristisch schon geklärt ist, ich auch vor dem Staat eine Frau bin, aber noch nichts ändern lassen kann, weil kein Mensch mehr weiß warum dieser Prozess dermaßen sinnlos aufgebaut ist. Sogar meine Therapeutin meinte dies sei eine einzige Farce. Sinnlos und schwachsinnig. Wieso sollen zwei sogenannte studierte Doktoren darüber entscheiden ob ich weiblich bin oder nicht? Ob ich den falschen Körper bekam oder nur einem Fetisch folge? Diese beiden haben das selbst nie erlebt und durchgemacht, wie also kann ein Studium ihnen das Recht geben darüber besser Bescheid zu wissen als ich? Aber das ist Deutschland. Sogar die EU, die sonst immer nur beschimpft wird, wegen ihrer zweifelhaften Restriktionen, hat allen Mitgliedstaaten auferlegt die gesetzlichen Regelungen zur Transidentität zu reformieren und zu lockern. Doch wer ist dem bis heute noch nicht nachgekommen? Deutschland.

Bis November 2015 hatte ich nun meine Geburtsurkunde, Ausweise und Unterlagen entsprechend ändern lassen. Dieser jahrelang vorgegaukelte Mann existiert(e) nun endlich nicht mehr. Ein weiterer Schritt zum Ziel lag nun hinter mir. Und der nächste stand schon vor der Tür. Die benötigte Zeit von einem Jahr Psychotherapeutischen Sitzungen hatte ich nun voll und der Beginn der Hormonersatztherapie stand nun endlich bevor. Einen Termin zur Vorstellung bei meiner sehr kompetenten und netten Endokinologin der Uniklinik Frankfurt hatte ich schon im Oktober 2015, auch für die Blutuntersuchung, damit die richtigen Medis und Dosis gefunden werden kann. Natürlich auch um Nebenwirkungen wie Thrombose und Embolie gering zu halten. Aber meine Blutwerte waren und sind hervorragend. Organe alle im Top Zustand. Natürlich bis auf die Testosteron- und Estradiolwerte, die noch im falschen Verhältnis zueinander standen. Und am 29.12.2015 bekam ich nun mein erstes Rezept für Estradiol und einem Testosteronblocker in die Hand. Ich konnte es kaum fassen das es endlich losging. So sehr hab ich mich gefreut. Ich schreibe dies hier fast genau ein Jahr später und mir kommen immer noch die Tränen wenn ich an diesen Tag denke.

Naja, was soll ich sagen… Nach nur einer Woche bemerkte ich erste Veränderungen: Meine fremdkörperartigekeligeekelhaftestörendeverfluchte Spermaproduktion stellte sich schnell ein, und auch die Empfindlichkeit meiner Brustwarzen nahm zu – wie erhofft und erwartet. Mit 4mg Estradiol hab ich damals begonnen, vertrage es so gut, das ich  mittlerweile bei 8mg bin. Als ich sie das erste Mal einnahm, wurde mir für eine halbe Stunde etwas schwummerig, aber das war es dann auch. Nach einem Monat kam ich dann in den siebten Himmel. Ich meine damit das sich nun auch meine Gedanken veränderten, Interessen und Gefühle spielten mir Streiche und machten mir klar das sich mein Leben nun verändern würde. Ich sah rosarote Wolken, wollte jeden Wildfremden am liebsten küssen, so glücklich war ich. Ohne Grund. Ich fing an mich für Dinge zu interessieren die ich sonst mein ganzes Leben immer von mir gedrängt habe. Plötzlich wollte ich ein Haustier – Tiere hab ich sonst immer gehasst…bloß weg mit den Dingern. Aber jetzt liebe ich Tiere, möchte unbedingt ein süßes kleines Kätzchen… Selbst Spinnen, vor denen ich immer noch große Angst habe, kann ich nicht mehr platt machen. Es sind doch auch Lebewesen. Aber es kam noch ein ganz großer Wunsch: Kinder. Im Gegensatz zu früher möchte ich unbedingt eigene Kinder haben. Biologisch ist der Zug natürlich schon abgefahren. Aber vielleicht eine Adoption… Ein Traum, ein Wunsch.

Nach drei Monaten holte mich für einige Wochen starke Appetitlosigkeit ein. Ich aß kaum noch etwas und nahm einige Kilos ab, und da ich eh schon immer recht dürre war, gefiel mir das gar nicht. Anders als bei den meisten Transmädels bekam ich die Nebenwirkung der Gewichtszunahme glücklicherweise nicht. Irgendwann fing ich dann wieder an zu essen und mein Gewicht erholte sich. Freunde bemerkten bei mir auch das meine Haut weicher geworden ist. Ich selbst hab das gar nicht so wahrgenommen, da ich mich ja jeden Tag sehe. Aber es dauerte nicht lange, da hab ich das nun auch selbst bemerkt. Am ganzen Körper wurde meine Haut zarter und weicher. Aber auch empfindlicher. Köperbehaarung nahm ab, teilweise hörte sie sogar komplett auf zu wachsen, wie auf der Brust. Ansonsten nahm sie ab und wurde heller sowie dünner. Also die Haare. Außer natürlich im Gesicht. Der Bartwuchs ist langsamer geworden, aber ein komplettes Einstellen hab ich nicht zu erwarten. Das ist etwas was bei Uns zu den schlimmsten Leidensgebieten gehört, da wir das jeden Tag irgendwie verstecken müssen. Wir Transmädels müssen ja immer noch eine Schüppe drauflegen, als die Biofrauen. Bei uns muss es immer perfekter sein, so scheint es die Gesellschaft zu erwarten. Wenn nicht heißt es gleich wieder: „Guck mal, das ist doch ein Mann!“ Und der Witz an dem Ganzen ist das die Krankenkassen eine Bartepilation nur sehr schwer übernehmen. Und dann auch nur die Nadelepilation, die so gut wie von keinem Hautarzt mehr durchgeführt wird. Was ein Schwachsinn. Aber so kann man auch um seine Ausgaben kommen.

Es war auch, ich glaub im April, so nach drei Monaten, das ich endlich bemerkte wie mein Brustgewebe zunahm. Sie wachsen, Yippie… Und so war es auch. Bei der Kontrolle im sechsten Monat konnte ich schon ein kleines A-Körbchen vorweisen. Was aber nachließ waren die Glücksgefühle und depressive Phasen holten mich wieder ein. Nach diesen ersten sechs Monaten bekam ich die erste Dosiserhöhung auf 6mg Estradiol. Etwas was mir nicht so gut bekam. Das Wachstum und die körperliche Angleichung ging fleißig weiter, aber die Depressionen nahmen zu. Mal nur ein paar Tage, mal über Wochen. So verbrachte ich den Sommer.

Nach nunmehr dreizehn Monaten, die ich mich in der Hormonersatztherapie und meiner zweiten Pubertät befinde muss ich feststellen das neben dieser Transition ein normales Leben zu führen fast unmöglich ist. Für mich ist es schwer mich auf alltägliche Dinge zu konzentrieren. Mag sein das das andere besser hinbekommen, ich leider nicht.

Im Oktober stand nun meine nächste Endokrinologische Untersuchung an. Naja alles wie beim alten – Blutwerte top, Testo kaum vorhanden und Estradiol nur leicht erhöht und immer noch „nur“ im mittleren Bereich, weswegen ich nun eine weitere Erhöhung auf 8mg bekam. Was mir auch in Sachen Psyche sehr gut getan hat, die Depri-Phasen sind erheblich weniger geworden. Und äußerliches Wachstum bekam einen weiteren Schub. Juhuuu.

Eine phoniatrische Untersuchung ergab das sich meine Stimmlippen nicht ganz schließen lassen, weswegen sie dauernd belegt sind und ich ständig räuspern muss. Etwas was für ein Stimmtraining um eine femininere Stimme zu bekommen natürlich ein totales No-Go ist. Kratzige Stimme, klare Aussprache und eine sanfte Betonung werden schwierig. Mir wurde dort eine Stimmband-Op angeboten, aber das kommt für mich nicht infrage, das Risiko die Stimme dadurch komplett zu verlieren ist mir einfach zu hoch. Und perfekt wird es dadurch auch nicht, weil nur noch eine Tonlage erreicht werden kann. Flüstern und schreien werden fast unmöglich, und ich will schreien können. So. Also versuche ich es weiter mit der Logopädie. Zudem soll Außenstehenden zufolge meine Stimme schon recht weiblich wirken. Ich selbst bin überhaupt nicht zufrieden damit, aber womit bin ich das schon? Das einzige was mir an mir wirklich gefällt sind meine Brüste. Doch wirklich, bin sehr zufrieden was ich da erreicht habe. Und es wird mehr… 😉

Naja, der Dezember verging, das neue Jahr brach an und ich erhielt endlich die psychotherapeutische Indikation. Die ich sofort zusammen mit weiteren Gutachten von Psychiater, zwei unabhängige, dem Endo-Befund und der Aufklärungsbescheinigung zur GaOp an die Krankenkasse gegeben habe. Weiter zum MDK bekam ich überraschender Weise nur eineinhalb Wochen später die Zusage der Kostenübernahme. Wahnsinn. Ich hab erstmal fest damit gerechnet eine Absage zu bekommen, geschweige denn so schnell. Aber ich hab nicht nur alle Voraussetzungen erfüllt, sondern denen auch mehr gegeben als sie haben wollten. So konnten die wohl nicht mehr „Nein“ sagen. Und jetzt hab ich sie in der Tasche, die geschlechtsangleichende OP. Ich kann hier gar nicht beschreiben wie sehr ich mich gefreut habe, als ich den Brief in den Händen hielt. Das jahrelange warten und sammeln von nervtötenden Gutachten hat sich wohl doch gelohnt. Aktuell warte ich nun auf Vergabe eines Termins der Klinik in München.

Fortsetzung:

Dies ging eigentlich recht schnell. Nachdem ich die Gutachten, Indikation und die Bestätigung der Kostenübernahme an die Klinik geschickt habe, bekam ich einen Termin am 12.06.2017. Als dieser endlich feststand, hab ich mich so sehr gefreut wie schon lang nicht mehr. Es stand nun fest, es sollte geschehen. Ich würde eine Vagina bekommen.  Die Zeit bis dahin, rannte und mal rannte sie nicht. Etwa fünf Monate lagen zwischen der Vergabe und dem V-Day. Die heiße Phase begann drei Wochen vor der OP mit der Voruntersuchung. Blutabnahme, Urinuntersuchung, Nasenabstrich, HIV Test usw. War nicht schlimm, Blutabnahme bin ich schon gewohnt, da hab ich kein Problem mit. Leider übernimmt die Krankenkasse diese Voruntersuchung nicht. Später konnte ich es aber nachreichen. Als es nur noch zwei Wochen waren, hieß es Absetzen der Hormone, wegen der Thrombosegefahr. Die ersten Tage verliefen ganz normal. Aber dann, bemerkte ich ständige Müdigkeit, Energielosigkeit und „Mir ist alles egal“ Einstellungen. Alles in allem, bin ich damit aber klargekommen.

Am 11.06.2017 brachte mich Rebecca nach München, zur Chirurgischen Klinik München Bogenhausen. Dort angekommen, hieß es erstmal einchecken. Nach endlosem Warten, wurde mir endlich ein Zimmer zugewiesen. Es war ein gemütliches Zwei-Bett Zimmer, in dem schon eine andere Transfrau lag, die ihre OP schon einige Tage zuvor hatte. Mir wurde schon angekündigt, dass mich verschiedene Ärzte aufsuchen würden, zur Vorbereitung und Aufklärung der Operation. Die Erste war eine junge Anästhesistin. Sie war sehr nett und schien mir auch sehr kompetent. Es ging natürlich um die Narkose. Für mich ein wichtiges Thema, vor dem ich Angst hatte, denn schließlich hatte ich noch nie eine derartige Narkose, wie ich auch noch nie im Krankenhaus lag. Danach kamen in verschiedenen Abständen eine Allgemeinärztin und eine Untersuchung bei der Urologin Frau Dr Martina Riegel, die am nächsten Tag die große OP auch durchführte. Bei ihr hatte ich vor einem Jahr auch das Erstgespräch. Eine sehr nette Ärztin, die ihren Job liebt, über die ich nur positiv sprechen kann.

Nachdem sie sich das Operationsgebiet angeschaut hat, und mir bestätigte, dass genug Material vorhanden sei (ansonsten muss Haut aus dem Oberschenkel entnommen werden), kam das unangenehmste an die Reihe. Die Darmentleerung. Keine Ahnung, ich glaube es waren drei Liter der ekelhaftesten Flüssigkeit, die man sich vorstellen kann. Aber es musste halt alles raus. Es half nichts, also sagte ich mir „Augen zu und durch. Es muss nun mal sein.“ Warum? Weil zum einen in direkter Nachbarschaft des Enddarms gearbeitet wird (ein voller Darm würde den benötigten Platz nicht zulassen) und zum anderen soll nach der OP noch kein Stuhlgang kommen, da die Anstrengung der Muskeln des Beckenbodens im Operationsgebiet höllisch wehtun würden. Und das kann ich definitiv bestätigen. Jegliches Muskelzucken dort unten, sollte man sich mehrfach überlegen. Am nächsten Morgen kam gegen sechs Uhr Rebecca wieder in die Klinik (sie blieb noch ein paar Tage in München). Nervös warteten wir. Um halb acht war es soweit, die Schwester kam und zog mich samt Bett aus dem Zimmer zum Fahrstuhl. Dort verabschiedete ich mich von Rebecca.

Ein Stockwerk tiefer, Bett wechseln, Krankenhemd ausziehen, aufgewärmte Decke bekommen, Elektronen und Zugang in eine Vene. Dies waren die nächsten Schritte. In einem Gang, wartete ich nun, an ständig vorbeihuschenden Ärzten, Schwester und schlafenden Patienten. Das Warten ist das schlimmste an dieser ganzen Mission. Aber dann schob man mich weiter, durch eine metallische Schwingtür, in den OP. Bequem auf schwarzem Leder gebettet, atmete ich mit ausgebreiteten Armen, aus einer Maske Sauerstoff ein, während ein Medikament, durch den Zugang, in meine Vene lief. Kurz darauf erzählte ich der Anästhesistin (eine andere) was ich so mache, als mir schwummerig wurde.

Das nächste was nun kam, war das ich wach wurde und erstmal registrieren musste, wo ich war, was geschehen war. Ich musste heftig Pipi und irgendwie lief es auch, ohne das ich es kontrollieren konnte. Dann viel mir ein, das ich ja einen Blasenkatheter bekommen hab, wie auch: „Ach ja, stimmt … ich hatte eine OP, und … jetzt hab ich eine Vagina.“ Ob alles gut verlaufen war, wusste ich noch nicht, nur das ich heftig geträumt habe. Doch es war nun endlich geschehen. Nach gut fünf Stunden lag ich im Aufwachraum. Eine weitere Stunde später, wieder in meinem Zimmer, wo ich so vor mich  hin döste. Rebecca hielt mir die Hand und kümmerte sich um mich. Mir wurde Tee und eine Kraftbrühe gebracht. Aber ich wollte nur eins: schlafen.

Fortsetzung folgt…