Status

Fast drei Monate sind nun seit dem zweiten und letzten Teil meiner GaOP vergangen. Seither ist einiges geschehen – die OP selbst verlief sehr gut, der Heilungsprozess ist nahezu abgeschlossen. Das Ergebnis: hervorragend. Optisch wie auch funktionell könnte es kaum besser sein. In der Zwischenzeit sind wir (meine Frau und ich) zudem aus verschiedenen Gründen nach Mönchengladbach gezogen, und mittlerweile dort auch gut angekommen. Währendessen brach ich mir bei einem kleinen Autounfall die rechte Hand, was natürlich genau zum richtigen Zeitpunkt kam. Beim Umzug helfen war nicht drin. Auch mein für März vorgesehenes Praktikum im kaufmännischen Bereich musste ich auf Juni verschieben, da ich Rechtshänderin bin. Na ja, schreiben, Maus steuern, usw. ging nicht. Was sich leider auch auf meine Arbeit daheim auswirkte. Am Buch werkeln, war ebenfalls kaum möglich. Die insgesamt neun Wochen mit geschienter Hand waren improvisierend und behelfsmäßig geprägt. Stellt euch vor, ihr müsstet alle Tätigkeiten im Alltag mit nur einer Hand erledigen. Sei es beim Duschen, Anziehen, sogar beim Toilettengang. Aufgrund meiner rheumatischen Erkrankung war mir dies nicht fremd. Trotzdem waren es neuen Wochen der Verzweiflung. Jetzt geht es wieder, das äußere Fingergelenk (an dem der Bruch lag) ist noch etwas steif, aber ich kann wieder beide Hände voll nutzen.

Ich möchte noch einmal auf die Operation zurückkommen: Mittlerweile sind fast zweieinhalb Jahre Hormontherapie vergangen, die Personenstandsänderung wurde bereits vor drei Jahren vollzogen und die Geschlechtsangleichung liegt nun auch hinter mir. Es heißt, dass die Transition, oder »zweite Pubertät«, im Durchschnitt etwa drei Jahre dauert. Danach passiert, was den Umbau des Köpers angeht, nicht mehr viel. Diese drei Jahre hab ich bald beendet und bin bis hierher sehr zufrieden. Gut, die Nebenwirkung Gewichtszunahme ist leider eingetreten, aber damit kann ich arbeiten. Und jetzt habe ich ein weibliches Geschlecht, das ist ein Gefühl, welches ich kaum beschreiben kann. Nach meinem Outing habe ich mich frei gefühlt, so frei, als wäre ich aus einer Gefangenschaft entkommen, was im Grunde auch geschah. Aber nun wurde dieses Gefühl noch stärker. Endlich kann ich mich frei bewegen. Frei im Sinne, keine Hintergedanken mehr zu haben, dass man es doch noch irgendwie sieht. Dass das da unten mich verrät. Frei in meinen Gedanken, in denen ich nichts mehr erkenne, was mich männlich darstellt. Außer dem Bartwuchs, dessen Entfernung für mich die letzte Station meiner Transition darstellt.

Seit ich meine rechte Hand wieder nutzen kann, schreibe ich auch wieder und habe mit dem zweiten Band einer Trilogie begonnen, die von den Themen Transidentität, Homosexualität, Freundschaft, Liebe, sowie Akzeptanz handelt. Der erste Band mit dem Titel »es geht nicht immer nur um dich!«, befindet sich in der Endphase, soll heißen: Korrektorat, Testlesung und Satz. Doch worum geht es überhaupt? Die Geschichte handelt von einem transidenten Mädchen, welches von ihrem Alltag erzählt. Einen Alltag, den sie jeden Tag aufs neue unter schwersten Bedingungen bewältigt. Zum Beispiel als Mädchen gesehen und akzeptiert zu werden – etwas, was sich in depressive Phasen und Selbstzweifel auswirkt. Die Ablehnung des eigenen Körpers und eine Bürokratie, die ihr mit Hilfe von Gesetzen breite Hürden in den Weg stellt, gehört zu diesem Alltag ebenso dazu, wie ein gewisser Egoismus, ohne den dies alles nicht möglich ist. Aber der Roman handelt nicht ausschließlich über dieses Thema. Es gibt auch einen besonderen Menschen, zu dem sich die Protagonistin hingezogen fühlt. So einfach, wie es klingt, ist es natürlich nicht, doch mehr möchte ich noch nicht verraten.

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