GaOP Teil 2

Den wesentlichen Teil der geschlechtsangleichenden Operation, wurde bei mir schon im vergangenen Juni durchgeführt. Das bedeutet, das aus meinem früheren Penis eine Neovagina geformt wurde und auch schon funktionierte – soll heißen: Orgasmusfähigkeit und einigermaßen gutes Urinieren. Anatomisch gesehen, wurde die Neovagina schon vollständig aufgebaut. Nur die Schamlippen führten noch nicht bis nach ganz hinten.

Dies wurde nun in der 2.OP vervollständigt. Zudem wurden einige Korrekturen vorgenommen, wie die symmetrische Anpassung der großen Schamlippen, und der Formung des Klitorishäubchens, sowie der kleinen Schamlippen. Der Ausgang meiner Harnröhre, wurde auch etwas nach unten versetzt, da er zu hoch an der Klitoris saß und der Strahl nicht in Einem kam. Wie es insgesamt nun ausschaut, weiß ich noch nicht, da noch alles mit riesigen Pflastern beklebt ist. Der Blasenkatheter brennt sehr stark, was schwer auszuhalten ist. Dies war nach der 1.OP nicht so schlimm. Ansonsten bin ich seit heute (1. Post-OP Tag) wieder auf den Beinen und laufe umher, was allerdings eher watscheln gleicht, da die Pflaster stark ziehen und die Nähte schmerzen. Ja, Nähte! Bei der Vorbesprechung habe ich ausdrücklich KEINE KLAMMERN gewünscht, da mir diese die ersten Tage der 1.OP zur Hölle gemacht haben. Diese Klammern hängen bei mir an der Wand. Und jetzt warte ich ab, was noch kommt. Unser Aufenthalt hier soll etwa fünf Tage dauern. Ich rechne mit einer Entlassung am Dienstag. Gefolgt von einer 6,5 Stündigen Heimfahrt, die für uns sehr interessant werden wird, da das mit dem Sitzen noch so eine Sache ist.

Naja, wenn ich hier so liege und darüber nachdenke, das ich im Grunde meine Vagina nun schön angepasst bekomme, habe ich irgendwie ein schlechtes Gewissen, da eine Biofrau so etwas nicht von der Kasse bezahlt bekommt. Es sei denn es hat mir einer schweren Krankheit zu tun. Obwohl sich auch da einige Kassen quer stellen. Doch dann denke ich mir: wenn schon ein weibliches Geschlecht geformt wird, dann auch richtig.

Zum Klinikaufenthalt kann ich bis jetzt nur gutes berichten. Obwohl wir nun auf einer anderen Station liegen, als damals zur 1.OP, ist wieder alles Top. Die Schwestern kümmern sich wieder sehr rücksichtsvoll um uns und die Ärzte sind weiterhin sehr kompetent. Auch der Wechsel des Chefarztes und das Hinzukommen neuer Assistenzärzte, machte keinen Unterschied zu damals. Das ich zusammen mit meiner Frau hier operiert wurde, hat sogar den einen oder anderen Spaß ausgelöst, um Verwechselungen zu vermeiden, da wir ja denselben Nachnamen tragen. Eine OP-Schwester fragte mich sogar, ob meine Frau verschiedene Haarfarben hat, und ob wir uns damals in der Klink kennengelernt haben. Wetten wurden sogar darauf abgeschlossen. Ich bin froh, dass es hier so locker zugeht, denn in den meisten Kliniken läuft das ganz anders ab. Eigentlich schade das dies die letzte OP hier für mich war, denn ich würde gern wiederkommen.

Wie denke ich denn nun darüber? Nun, aktuell tut es noch weh, und der Katheter im Harnausgang brennt wie die Hölle, aber ich bin doch sehr froh und erleichtert, dass ich nun mein endgültiges weibliches Geschlecht bekommen habe. Nach der 1.OP hat es sehr lang gedauert bis in meinem Kopf wirklich angekommen war, was geschehen war, das ich  nun eine Vagina bekommen hatte. Vom Gefühl her hatte sich tatsächlich nicht viel verändert. Im Grunde war/ist es dasselbe Gefühl wie mit einem Penis, nur das nichts außen baumelt. Ich weiß nicht, ob mir das Biofrauen bestätigen können, aber bei Erregung pumpt sich die Klitoris ebenso mit Blut voll, wie zuvor die Eichel. Nicht nur, dass meine Klitoris ja einmal eine Eichel war, sind sich Eichel und Bio-Klitoris gar nicht so unähnlich. Beides ist bei der Zeugung erst einmal ein und dasselbe Ding, bis es entweder ins weibliche oder männliche gebracht wird. Aber das ist mir ehrlich gesagt egal, denn ich bin überglücklich endlich ganz Frau zu sein und (da unten) auch so fühlen kann. Meine Vagina funktioniert super und das Erscheinungsbild war vor dieser 2.OP schon gut. Jetzt kann es nur noch perfekt sein. Seit über zwei Jahren nehme ich nun auch schon weibliche Hormone, die meinen Körper die nötigen Rundungen gegeben und sämtliche Züge femininer gemacht haben. Damit bin ich sehr zufrieden, genau wie mit meiner Brust, die ein gutes B-Körbchen erreicht hat. Das ist etwas was mich doppelt freut, denn ich konnte mich nie damit anfreunden künstliche Implantate in meinem Körper zu haben. Ein Brustaufbau kam für mich nie in Frage. Wie meine Endokrinologin bestätigte, stehe ich nun bald vor der Vollendung meiner Transition. Das Einzige was noch fehlt, ist die Bartepilation. Diese scheint sich aber schwieriger zu gestalten wie alles andere. Was genau ich hierbei machen lasse, ist für mich noch nicht entschieden. Zumal es auch sehr schwer ist, dies von der Kasse bezahlt zu bekommen. Weitere Schönheitsoperationen habe ich nicht geplant, und werde sie auch nicht planen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem es übertrieben wird. Klar, es gibt  auch Transfrauen, bei denen die Hormone nicht so viel erreichen, wie bei mir, oder bei denen der Körper einfach zu maskuline Züge hat. Denen gönne ich jede Operation, wenn sie ihnen hilft. Ich bin mit mir aber zufrieden, an der Stimme möchte ich noch etwas arbeiten, aber das wird schon.

Wer etwas mehr darüber erfahren möchte, was es heißt transident zu sein, der oder die kann es demnächst in einem Roman von mir nachlesen. Erscheinung ist voraussichtlich im Frühling diesen Jahres.

Und jetzt … mal sehen was die nächsten Tage hier so  mit sich bringen.

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